Ostwürttemberg, Oktober 2026 – Wie können Unternehmen internationale Fachkräfte erfolgreich gewinnen und Bewerbungsgespräche professionell gestalten? Mit dieser Frage beschäftigte sich der PersonalerTREFF digital am 13. Oktober 2026. Die Veranstaltung bot praxisnahe Tipps zur Rekrutierung, zur Bewertung internationaler Qualifikationen und zum Umgang mit kulturellen Unterschieden.
Internationale Fachkräfte gewinnen für die regionale Wirtschaft zunehmend an Bedeutung. Bereits heute fehlen in Ostwürttemberg zahlreiche qualifizierte Arbeitskräfte. Durch den demografischen Wandel wird sich diese Situation in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Wie Unternehmen internationale Bewerberinnen und Bewerber erfolgreich ansprechen und Bewerbungsgespräche souverän führen können, stand im Mittelpunkt des PersonalerTREFF digital am 13. Oktober 2026. Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH Region Ostwürttemberg (WiRO), der IHK Ostwürttemberg und dem Welcome Center Ostwürttemberg organisiert.
Demografischer Wandel verschärft den Fachkräftemangel
Fabian Semsarha, Referent für Fachkräftesicherung beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und Experte des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA), stellte zu Beginn die aktuelle Fachkräftesituation vor. Im Arbeitsagenturbezirk Aalen, der die Region Ostwürttemberg abbildet, fehlen rechnerisch rund 1.780 qualifizierte Fachkräfte. Besonders betroffen sind unter anderem die Gesundheits- und Krankenpflege, die Metallbearbeitung sowie technische Berufe.
Der demografische Wandel wird diese Herausforderung weiter verstärken. Bis 2036 erreichen deutschlandweit rund 16,5 Millionen Menschen aus der Babyboomer-Generation das Renteneintrittsalter. Dem steht ein deutlich geringerer Zugang jüngerer Menschen zum Arbeitsmarkt gegenüber.
„Um offene Stellen auch künftig besetzen zu können, müssen Unternehmen alle verfügbaren Potenziale nutzen. Neben der Aktivierung inländischer Arbeitskräfte ist die gezielte Gewinnung und Integration internationaler Fachkräfte ein wichtiger Baustein der Fachkräftesicherung“, betont Fabian Semsarha.
Internationale Bewerbungsgespräche gezielt vorbereiten
Im Mittelpunkt des Vortrags stand die professionelle Gestaltung von Bewerbungsgesprächen mit internationalen Fachkräften digital und in Präsenz. Semsarha erläuterte, dass sich Bewerbungsunterlagen, Berufsbezeichnungen und Ausbildungswege international teilweise deutlich unterscheiden. Unternehmen sollten deshalb nicht ausschließlich formale Abschlüsse bewerten, sondern insbesondere praktische Erfahrungen und vorhandene Kompetenzen berücksichtigen.
Hilfreiche Instrumente zur Einordnung ausländischer Qualifikationen sind die Datenbank anabin und das BQ-Portal. Beide bieten Arbeitgebern Informationen zu internationalen Bildungs- und Berufsabschlüssen.
Anhand eines strukturierten Ablaufs mit fünf Phasen – Begrüßung, Kennenlernen, Unternehmensvorstellung, Rückfragen und Abschluss – zeigte Semsarha, wie Unternehmen Gespräche erfolgreich gestalten können. Entscheidend sind eine gute Vorbereitung, klare Kommunikation und ein wertschätzender Umgang mit den Bewerbenden.
„Internationale Bewerberinnen und Bewerber bringen unterschiedliche berufliche Erfahrungen und kulturelle Hintergründe mit. Entscheidend ist es, vorhandene Kompetenzen und Entwicklungspotenziale zu erkennen und die eigenen Bewertungsmaßstäbe kritisch zu hinterfragen“, so Semsarha.
Erfolgreiche Integration beginnt bereits bei der Bewerbung
Neben der fachlichen Eignung spielen auch die Erwartungen an das Leben und Arbeiten in Deutschland eine wichtige Rolle. Unternehmen sollten frühzeitig über Arbeitsbedingungen, Entwicklungsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote informieren. Dazu zählen beispielsweise Hilfen bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen, beim Spracherwerb oder durch ein strukturiertes Onboarding.
Steffen Kohnle, Leiter des Welcome Centers Ostwürttemberg, unterstreicht die Bedeutung einer frühzeitigen Begleitung: „Die Gewinnung internationaler Fachkräfte bietet unseren Unternehmen große Chancen. Gleichzeitig bringt sie neue Herausforderungen mit sich. Entscheidend ist, dass Betriebe und Fachkräfte von Anfang an gut informiert und begleitet werden, gerne auch durch uns. Denn erfolgreiche Fachkräftesicherung bedeutet nicht nur, Menschen für unsere Region zu gewinnen, sondern sie auch langfristig hier zu halten.“
Das Welcome Center Ostwürttemberg ist dabei die zentrale Anlaufstelle und Kompetenzzentrum für internationale Fachkräfte und regionale Unternehmen. Es unterstützt und berät bei Fragen rund um die internationale Fachkräftegewinnung, die Beschäftigung sowie das Ankommen und die Integration in der Region
„Wir beraten sowohl Unternehmen, die internationale Mitarbeitende einstellen möchten, als auch Fachkräfte, die in Ostwürttemberg arbeiten und leben wollen.
Unsere Aufgabe ist, Unternehmen die Möglichkeiten der Fachkräftesicherung durch internationale Mitarbeitende aufzuzeigen, aber auch konkret bei Einstellungsvorhaben zu unterstützen. Das Ziel ist es, beide Seiten zusammenzubringen und den Einstieg in den regionalen Arbeitsmarkt zu erleichtern“, erklärt Kohnle.
PersonalerTREFF digital bietet praxisnahe Unterstützung
Mit dem PersonalerTREFF digital unterstützen die WiRO und die IHK Ostwürttemberg regionale Unternehmen bei aktuellen Fragen der Personalarbeit und Fachkräftesicherung. Die Veranstaltungsreihe vermittelt Fachwissen, stellt praxisnahe Lösungsansätze vor und gibt Impulse für eine zukunftsorientierte Personalstrategie.

